Die Referenzen "Die Briefe meiner Oma Helene aus den Jahren 1917 und 1918 an ihren Sohn Hans, meinen Vater, und seine Kriegstagebücher aus dieser Zeit, lassen einen Teil unserer Familienchronik lebendig werden. Ich bin Frau Starke sehr dankbar, diese persönlichen Dokumente strukturiert und behutsam bearbeitet zu  haben. So ist es meinen Kindern und Enkelkindern möglich, einen Teil der Lebenswelt ihrer Urahnen  nachzuempfinden, beinahe so, als würde ihnen die Geschichte von einem der Vorfahren persönlich  erzählt. Selbst für mich haben sich neue Zusammenhänge in unserer Familiengeschichte ergeben, die ich ohne das gemeinsame Projekt mit Frau Starke nicht entdeckt hätte. Ich danke ihr für die Zusammenarbeit und freue mich sehr über das entstandene Büchlein." Heidi H. Leseprobe  Hamburg am Montag, 8. April 1918 Mein geliebter Hans, heute endlich Post von Dir, zwei Briefe, vom 1. und 2. Herzlich leid tut es mir, daß Du  keine Post hast. … Ich verstehe nicht, weshalb Deine Post zurückkam, ich schrieb Dir ja  schon, daß ich sechs Briefe von der Adresse Billy zurückbekam und Du wartest so darauf.  Daß der Urlaub wieder gesperrt ist, ist ja schrecklich, wann magst Du dann wohl kommen?  Und wir hoffen schon jeden Tag, Du solltest kommen. Hoffentlich bleibt Ihr nun eine Zeit  da, daß Ihr nicht in die Gefechte kommt, wenn es eine Offensive gibt. Wenn ich nur immer  Post bekomme, dann geht es ja noch und hoffentlich hast Du auch unterdes Post bekommen. Es freut mich nur, daß es Dir gut geht, mein lieber Junge, damit muß man ja in dieser Zeit  zufrieden sein. Paula hat auch dieser Tage keine Post. Daß Du seit dem 12. keine Post hast, ist ja schrecklich. Hier ist das Wetter auch immer abwechselnd, gestern wunderschön und  heute wieder kalt. Gestern waren Lieschen und ich mit Dora im Stadtpark, aber nun habe  ich wieder für den Sommer genug davon. Da ist es immer noch nicht anders. Hans Wilkens  war Ostern zwei Tage hier, schrieb ich auch schon einmal. Kannst Du Dich da nicht mal  fotografieren lassen? Dann müssen wir wohl warten, bis Du wieder hier bist.  Nun mein geliebter Junge, sei für heute herzlich gegrüßt und geküßt von Deiner Mutter & Paula Der liebe Gott möge Dich beschützen. Mutter Helene war besorgt um ihren 20-jährigen Sohn Hans. Erst drei Jahre zuvor hatte sie ihren Mann verloren. Krankheitsbedingt war er mit nur 50 Jahren verstorben. Seitdem lebte sie alleine mit ihren  erwachsenen Kindern Paula und Hans im Münzweg 12 in der Hamburger Innenstadt. Ihr wird fast das  Herz stehengeblieben sein, als Hans mit 18 Jahren den Einzugsbefehl der Österreichisch-Ungarischen Armee erhielt. Da sein Vater gebürtiger Österreicher war, musste er, obwohl in Hamburg geboren, für  Österreich in den 1. Weltkrieg ziehen. Hans kam zu den Gebirgsjägern und kämpfte in den Tiroler Alpen und den Dolomiten gegen die Italiener. Sein Kriegstagebuch zeigt, dass es ruhig war an jenem 8. April 1918, es gab keine Gefechte. Während seine Mutter in der Küche oder der guten Stube den Brief an ihren geliebten Sohn schrieb, verbrachte Hans den Vormittag mit Exerzieren, spielte im Anschluss mit  Kameraden Schach und musste gegen Abend an der Gasschule teilnehmen - eine Übung für den Fall des Kampfgaseinsatzes der Kriegsgegner. Das Tagebuch berichtet weiter davon, dass Mutter und Sohn nicht lange auf ein Wiedersehen warten  mussten. Die Urlaubssperre, von der im Brief noch die Rede war, wurde aufgehoben und Hans erreichte nach dreitägiger Reise am 17. April Hamburg. Die darauffolgende Zeit wurde ausgiebig für Erholung und Zerstreuung genutzt, wusste doch keiner, ob es jemals wieder so sein würde. Die Tage waren gefüllt mit Verwandtschaftsbesuchen, Opern- und Theatergängen sowie Ausflügen. Am 11. Mai kehrte Hans zu  seiner Kompagnie in den Bergen zurück, nach einer viertägigen Reise von Hamburg über Wittenberge, Stendal, Magdeburg, Leipzig, Hof, Regensburg, München, Salzburg, Villach und Motta. © Werkstatt für Biografie  –  Eike Starke  –  2013 / 2018 Helene, Paula & Hans, 1916/17